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gesunder Perfektionismus

Veröffentlicht am August 23 2019

gesunder Perfektionismus

gesunder Perfektionismus?

"Wenn ich schon nicht perfekt bin, dann versuche ich wenigstens, alles perfekt zu tun. Und nur wenn ich alles perfekt mache, kann niemand sehen, wie unsicher und verletzlich ich in Wirklichkeit bin.“

Perfektionisten wollen ihren Wert im Außen messen, da die innere Stabilität fehlt. Es fühlt sich so an, als ob man innere Ordnung bekommen könnte, wenn man außen Ordnung hält und als ob man sich innerlich entwickeln würde, wenn man sich äußerlich entwickelt. Sicherlich ist da auch etwas dran, aber der Anspruch, dass das Äußere etwas mit dem Inneren machen könnte ist schwierig. Aus dem gleichen Grund würden wir sagen, dass ein Mann mit einem dicken Auto vielleicht in der Lage ist, sein Ego im Äußeren aufzupolieren, aber innerlich trotzdem sehr klein und unsicher bleiben kann. Vielleicht wird er mit der Zeit sogar immer unsicherer, weil er merkt, dass die meisten Frauen ihn vor allem wegen seines Autos anziehend finden und nicht unbedingt wegen ihm als Mensch. 

Perfektionisten funktionieren sehr ähnlich. Sie generieren starke Fähigkeiten auf dem Weg zum perfekten Vorbild. Sie stellen gewissermaßen ihre starke Seite nach vorne, ohne mit ihrer schwachen Seite in Verbindung gebracht werden zu wollen. Ihre Lösung für Schwäche: einfach abspalten, ignorieren und nach vorne schauen. Menschen, die besonders hohe Ansprüche an sich und ihre Umwelt haben und sich weiterentwickeln wollen, sind ja erstmal nicht verkehrt. Das Problem ist eher die Erwartungshaltung, die an die Ansprüche geknüpft ist. „erst wenn der Vortrag perfekt ist, dann kann ich mich entspannen.“ „Erst wenn ich die Gehaltserhöhung bekommen habe, bin ich anerkannt.“ „Erst wenn mein Partner errät, was ich fühle, dann liebt er mich und passt zu mir.“ Diese „erst-wenn“ Sätze konditionieren uns und treiben uns an. Wir nutzen diese Antreiber häufig, um unseren inneren Wert zu generieren. Versteh mich nicht falsch – Menschen schaffen große Dinge, weil sie an etwas Größeres glauben und unsere Welt zu einem besseren Ort machen wollen. Der Unterschied ist, ob sie es machen, um ihren Selbstwert aufzubessern oder weil es ihnen um die Sache selber geht und sie es aus einer Freude heraus machen.

Diese „erst-wenn“ Sätze zeigen aber auch, was derjenige wirklich von sich selbst denkt. „Ich bin erst liebenswert, wenn... „ heißt übersetzt: „Im Moment bin ich nicht liebenswert.“ Im Perfektionisten liegt ein tiefer verletzter Kern verborgen, den er durch seinen Perfektionismus zu vergessen versucht: Die Angst, nicht dazuzugehören, nicht liebenswert und ausgeschlossen zu sein. Perfektionismus ist ein Weg, sich von diesem schmerzhaften Kern wegzukämpfen. Diesen schmerzhaften Kern und die eigene darin verborgene Minderwertigkeit zu fühlen übersteigt häufig unsere Schmerzgrenze, wir können dieses Gefühl nicht an uns ranlassen. Größenphantasien hingegen retten über dieses unangenehme Gefühl hinweg. Dadurch entsteht Schwarz-Weiß-Denken und Perfektionismus. Aber wir können weiß nicht ohne schwarz haben. Dann wären unser Leben, unsere Persönlichkeit und unser Empfinden nicht im Gleichgewicht. Wir müssen lernen, mit Schmerz umzugehen, mit unserer Minderwertigkeit und Schwäche umzugehen und immer wieder zu erkennen, dass wir immer noch liebenswert sind. Im Gegenteil, die eigene Schwäche und Minderwertigkeit als eine Option unseres Seins anzuerkennen hilft uns erst, sie überwinden zu lernen und daraus zu wachsen. Denn es ist ja nicht das Ziel für immer schwach und minderwertig zu sein. Das Ziel ist es, die Schwäche zu erkennen und daraus zu lernen und zu wachsen. Also an alle Perfektionisten: sagt ja zu eurer Schwäche und eurer Minderwertigkeit, denn nur so könnt ihr wachsen und wirklich stark werden!

 

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