Mein Warenkorb

Abschließen

starke Frauen - schwache Männer?

Veröffentlicht am November 08 2019

starke Frauen - schwache Männer?

starke Frauen - schwache Männer?

"die Männer sind solche Angsthasen geworden!" rief eine Freundin vor kurzem empört und gleichzeitig frustriert aus. Sie ist eine tolle, starke Frau, die bereits einiges in ihrem Leben auf die Beine gestellt hat, aber ihre Stärke wird ihr bei der Partnersuche irgendwie zum Verhängnis. Denn starke Frauen brauchen einen starken Mann. Und das ist anscheinend nicht so leicht zu finden. Entweder suchen sich starke Frauen irgendwelche hoffnungslosen Fälle wie z.B. selbstverliebte, unerreichbare Narzissten oder arme, unsichere Männer, die irgendwie gerettet werden müssen. Kann sich daraus eine liebevolle Beziehung auf Augenhöhe entwickeln? Ich sag mal so: unmöglich ist nichts, aber es gäbe Einfacheres.
Nach einer Reihe von solchen ungleichen Beziehungen ziehen sich diese starken Frauen irgendwann frustriert und abgekämpft zurück und fokussieren sich immer mehr auf ihre Karriere. Doch was wäre, wenn so ein starker Mann vor einer starken Frau stünde. Würde sie ihn erkennen und eine Verbindung zu ihm aufbauen können? Wäre sie emotional erreichbar? Könnte sie sich überhaupt öffnen und sich auf das Risiko, enttäuscht zu werden einlassen? 
Wir haben häufig mehr Angst vor dem Glück, als vor dem Unglück. Das ist ein Paradox. Wie kann das sein? Unser Gehirn wählt im Zweifelsfall lieber Sicherheit als Wachstum und alles was wir tun müssten, um dem Glück näher zu kommen, erfordert Arbeit, Verletzlichkeit und eine Fähigkeit mit Fehlern umzugehen. Einem Partner auf Augenhöhe zu begegnen bedeutet nämlich auch Mut zu haben zu wachsen, sich in Frage stellen zu können ohne sich gleich komplett aufzugeben. Und Glück ist das Ergebnis davon, Risiken einzugehen – und erfolgreich zu meistern. Glück ist nicht sicher, es ist ein volatiler Moment. Unglück hingegen ist viel wahrscheinlicher. Wenn wir nichts tun und uns nicht aktiv für unser Wohlergehen einsetzen, dann steigt die Sicherheit, dass etwas Ungutes passiert. Wir müssen uns also entscheiden: Unsicherheit und Wachstum oder Sicherheit und Stagnation.

In Zeiten wie diesen, wo sich die Gesellschaft in einer Geschwindigkeit verändert wie noch nie, ist die Bereitschaft zu kämpfen etwas reduziert, weil zu anstrengend. Gleichzeitig ist das Bedürfnis nach Sicherheit erhöht. Unser Gehirn ist dann weniger auf der Suche nach Wachstum und Veränderung, sondern nach Sicherheit.
Starke Frauen, sollte man meinen, haben die nötige Kraft, auch in schwierigen Zeiten wachsen zu wollen. Doch starke Frauen sind vor allem nach außen hin stark. Der Titel "stark" bezieht sich eher auf die Fähigkeit, im Job und mit Freundschaften klar und sachlich zu sein. Sobald es persönlicher und intim wird, werden sie häufig unsicher und haben Schwierigkeiten zu spüren, was sie wollen und wer sie sind. Ein starker Mann würde ihnen ihre Kernfähigkeit nehmen, außen stark sein zu müssen und es bliebe plötzlich Raum für Empfindungen und Gefühle. Neue Fragen würden sich auftun und die starke Frau würde sich definitiv erstmal nicht mehr stark, geschweige denn sicher fühlen. Was ist also der richtige Weg? Sicherheit oder Wachstum? Das bleibt wohl eine Frage, die man sich jeden Tag aufs Neue stellen darf.

Weitere Artikel

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Alle Blog-Kommentare werden vor der Veröffentlichung geprüft.