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emotionaler Raum

Veröffentlicht am Mai 27 2019

emotionaler Raum

emotionaler Raum

Kannst Du ihn halten?

Körper, Emotionen und Geist sind eine Einheit und bilden einen Raum aus Wahrnehmung, Erleben, Bewusstsein und Veränderung. 
Wenn man sagt, dass jeder Mensch ein Bewusstsein hat, kann man drei verschiedene Räume definieren: 1. den eigenen, 2. den einer Gruppe (Gesellschaft, Familie, Sportgruppe, Firma) und 3. einen spirituellen Raum einer höheren Kraft (Gott, Schicksal...). Vielleicht kann man sagen, dass wir erst dann etwas wahrnehmen, wenn diese Räume miteinander in Kontakt kommen. Aus Kontakt entsteht Anziehung, Abstoßung oder Reibung und nur auf diesem Wege entstehen unsere Emotionen. Unser aller Erleben entsteht also nicht aus uns alleine, sondern wird grundsätzlich immer durch jemanden oder etwas anderes ausgelöst. 


Die Reibung dieser Räume kann also positive Impulse oder Kraft in uns auslösen und lässt uns Vertrauen fassen, neue Facetten in uns kennenlernen und wachsen - sie kann aber auch Stress auslösen und zu einem Verlust von Kraft führen. Dieses negative Gefühl entsteht häufig bei einer Grenzüberschreitung unseres Raumes, oder wenn wir die Grenze eines anderen Menschen verletzen. Dann versuchen wir häufig die Verletzung durch Kompensationsmechanismen zu vermeiden. Das sind Verhaltensweisen, die die Reibung der Räume dämpfen oder nicht möglich machen. Dämpfen funktioniert beispielsweise durch Rückzug, Schweigen, Ausweichen, Alkohol, oder Unterdrückung von Gefühlen. Also wenn wir mental, emotional und körperlich verhärten. Es können aber auch Verhaltensweisen sein, die durch eine offensive oder angriffslustige Haltung die Nähe zu einem anderen Raum nicht zulassen. 


Wie dem auch sei, sobald durch Reibung mit einem anderen Menschen unsere Grenzen ins Wanken geraten, können in uns existenzielle Prozesse ausgelöst werden. In ihrer ersten Form erleben wir diese Prozesse als Emotionen. Es gibt sieben Basis Emotionen, die zunächst einen körperlichen Ausdruck finden. Bei Wut, Angst, Trauer, Ekel, Verachtung, Überraschung und Freude werden jeweils typische Muskeln in Gesicht und Körper aktiviert und führen zu entsprechender Mimik und Gestik, die überall von jedem Menschen auf der Welt erkannt werden können (Paul Ekman). Haben wir in frühen Jahren gelernt, dass wir uns nahe Menschen, z.B. unsere Eltern, mit unseren Emotionen überfordern, fangen wir an, diesen Ausdruck von bestimmten Emotionen zu reduzieren – indem wir den muskulären Ausdruck der Emotionen durch erhöhten Muskeltonus verhindern. Wilhelm Reich oder Alexander Lowen bezeichnen diese Muskelanspannungen auch als "Muskelpanzer", der uns vor dem Fühlen unangenehmer Gefühle schützen soll.


Mit der Zeit lernen wir auf unterschiedlichen Ebenen diese Reibungsflächen zu vermeiden (=körperlich, mental und emotional), und die unangenehmen Emotionen scheinbar zu kontrollieren. Doch letztendlich sind sie nicht kontrollierbar, sondern können nur blockiert und unterdrückt werden, denn Emotionen (lat.: ex-movere = herausbewegen) wollen einen Ausdruck finden, wollen gesehen, verstanden und gefühlt werden. Neurophysiologisch betrachtet ist jede Emotion ein elektrischer Impuls an die entsprechenden Muskeln im Gesicht und Körper. Was passiert mit blockierter Ladung, die nicht in Muskelbewegung umgesetzt und dadurch nicht ausgedrückt wird? Sie bleibt stecken und zeigt sich durch entsprechende Anspannungsmuster im ganzen Körper, der Muskelpanzer wächst, und irgendwann kommt der Körper an seine Grenzen. Es macht einen Unterschied, ob wir eher Wut oder Trauer unterdrücken, denn es entstehen unterschiedliche Muster der Muskelverspannung. Die Tibetische Medizin kennt die Verbindungen zwischen Emotion und Körper und weiß die unterschiedlichen Spannungsmuster zu deuten. 

Aber nicht nur bei körperlichen Beschwerden sind Spannungsmuster im Körper zu finden. Auch bei psychischen Symptomen (Ängste, Panik, Depressionen, usw.) gibt es eine körperliche Verbindung. Das kommt durch eine Feedbackschleife, durch die das Gehirn vom Körper Rückmeldung von zunehmender Verspannung bekommt. Es entstehen negative Gedankenmuster, Grübeln und negative Verhaltensweisen, die zur Verstärkung der negativen Gefühle führen.
Wie kommt man nun aus diesem „Teufelskreis heraus, denn letztendlich stehen wir immer noch vor dem ursprünglichen Dilemma: wir erleben uns nur in der Reibung, haben nur eine Chance zu wachsen, wenn wir lernen „Grenzüberschreitungen“ zuzulassen, die aber natürlich auch Ängste und negative Emotionen in uns auslösen kann. Können wir diese Unsicherheit nicht aushalten, versuchen wir, diese Reibungsflächen mit anderen Menschen zu reduzieren. Der Nachteil ist jedoch, dass wir dadurch wir auch unser Erleben reduzieren. Wir funktionieren zwar noch aber wir leben nicht mehr. Wir brauchen also die Reibung, um unseren Raum und den der anderen zu erleben. Raumeinnehmende Präsenz wird erst im Miteinander spürbar, nie alleine.

Interessanterweise sind während einer Narkose alle Muskeln weich und in alle Richtungen dehnbar. Im Wachzustand blockiert unser Gehirn unseren Bewegungsfreiraum auf Basis von Ängsten und Bewertungen.
Es ist also nicht unser Mangel oder unsere Unfähigkeiten, die Stress machen und blockieren, sondern die Angst davor, unseren Raum auszuweiten, zu dehnen, uns zu reiben und unsere ungelebten Potentiale zu entfalten.
Wie kann man sich emotionale, mentale und physiologische Räume zurückerobern?

Indem wir einen Menschen als Gegenüber zulassen, der auf allen drei Ebenen unsere Grenzen spürt und hilft sie zu überwinden.

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